Leben mit Psoriasis

Haralds Leben mit Psoriasis

Steckbrief

Steckbrief

Gestatten, ich bin Harald

1977 scheint das normale Leben für Harald schlagartig vorbei zu sein: Seine Haut schuppt sich großflächig, sie ist gerötet und entzündet. Harald ist gerade 15 Jahre alt. Mitten auf dem Weg zum Erwachsenwerden wird er mit der Diagnose Psoriasis konfrontiert – zu Deutsch: Schuppenflechte.

Die Krankheit ist für ihn nicht nur ein körperliches Problem, sondern wird auch zur seelischen Belastung. Sein Selbstwertgefühl leidet, ein regelrechtes Versteckspiel beginnt: Kurze Hosen im Sommer? Fehlanzeige! Harald begibt sich auf eine lange, beschwerliche Suche nach Linderung. Erst 2010 findet er ein Medikament, das dauerhaft hilft. Seitdem ist der passionierte Fußballspieler wieder am Ball: Kicken im kurzen Trikot – ein ganz neues Lebensgefühl!

Harald ist ein echtes Nordlicht, geboren 1962 in Hannover, aufgewachsen in Norderstedt, heute wohnhaft in Hamburg. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, dann eine Weiterbildung zum Handelswirt. Derzeit ist der sportliche 53-Jährige als Key Accounter tätig. Er ist ein zupackender Typ, ein Einzelkämpfer. „Meine Krankheit habe ich im Großen und Ganzen mit mir selbst ausgefochten.“

Stationen

Stationen

Unbeschwerte Kindheit - „Damals war meine Welt noch in Ordnung“

1970er-Jahre, Kindheit, 1976 Stadtmeisterschaft

Mitte der 1970er-Jahre, nördlich von Hamburg: Harald geht in Norderstedt zur Grundschule, später aufs Gymnasium. Er spielt begeistert Fußball, schon mit sieben Jahren tritt er in den Ortsverein ein. 1976 wird er mit seiner Mannschaft sogar Stadtmeister. Seine Eltern, die jüngere Schwester und der kleine Bruder stehen am Spielfeldrand und jubeln ihm zu. „Es war eine schöne Zeit, auch familiär war alles ok“, erzählt Harald. Probleme mit der Haut hat er damals nicht. 

Erste Symptome - „Ich war total geschockt“

Herbst 1977, Erste Erscheinungen Schuppenflechte

1977 bricht Haralds Hautkrankheit aus. „Mein ganzer Körper war voll, auch die Kopfhaut, ich war völlig fassungslos“, sagt er. „Dabei hatte ich noch Glück, dass mein Gesicht und meine Hände nicht betroffen waren.“ Auf der Kopfhaut plagt ihn Juckreiz. „Ich habe oft so lange gekratzt, bis es blutete.“ Im Rückblick sieht er die schwierige Familiensituation als möglichen Auslöser: Seine Mutter litt an Depressionen, auch sein Vater wurde krank. Harald fühlte sich für seine beiden jüngeren Geschwister verantwortlich. 

Erste Behandlung - „Die Krankheit verfolgte mich in meinen Träumen“

Ende 1977, Erster Besuch beim Hautarzt

Ein Hautarzt verschreibt Harald Kortison-Creme und -spritzen. „Die Schuppenflechte verschwand sprichwörtlich über Nacht, tauchte aber 24 Stunden später wieder auf.“ Diese Erfahrung macht er mit verschiedenen Behandlungen. „Das ist ein Horrorerlebnis. Erst denkt man: Alles ist gut. Kurze Zeit später ist alles beim Alten, wie von Geisterhand.“ Für Harald ein regelrechter Albtraum – jahrzehntelang.

Ewiges Versteckspiel - „Ich sah einfach keinen Ausweg mehr“

Ab 1977, Psychologische Belastung

Harald empfindet extreme Scham für seine Haut: „In diesem Alter ist das besonders übel, mitten in der Pubertät.“ Seine Fußball-Kumpels bemerken nichts, denn Harald ist Torhüter, trägt immer lange Klamotten. „In der Kabine habe ich stets gewartet, bis alle fertig waren – und mich als Letzter umgezogen.“ Andere Situationen vermeidet er ganz: „Freibäder waren ein No-go für mich.“ Haralds Verzweiflung wächst. „Es gab Momente, da wusste ich nicht mehr weiter.“ 

Beginn mit Bestrahlung - „Die Lichttherapie machte mir Hoffnung“

1978, Start der Lichttherapie

Anfang 1978 sucht Harald Hilfe bei einem Hautarzt. Der gehört seinerzeit zu den ersten, die eine Lichttherapie anbieten. Bis zu dreimal in der Woche nimmt der damals 16-Jährige den langen Weg von Norderstedt nach Hamburg in Kauf, um sich bestrahlen zu lassen. Nach einiger Zeit wird sein Hautbild besser. Doch dann reist er als Austauschschüler nach England. „Schon auf der Überfahrt kamen die ersten Flechten zurück“, erinnert sich Harald. Drei Urlaubswochen ohne Bestrahlung – und seine Krankheit „blühte“ wieder auf. 

Suche nach Linderung - „Es war eine wahre Behandlungsodyssee“

Ab 1979 diverse Therapien, 2004 erstmals Tabletten

Harald probiert immer neue Behandlungsmethoden aus. Der Einsatz eines speziellen Geräts für die Kopfhaut ist ihm unangenehm: „Meine Haare rochen verbrannt, teilweise rissen die Flechten auf der Kopfhaut auf und bluteten“, sagt Harald. „Neue Salben brachten ebenfalls wenig, meine Kleidung verschmierte, der Linderungseffekt war gering.“ 2004 erhält er erstmals Tabletten, kombiniert mit Bestrahlungen. „Ich litt unter starken Nebenwirkungen, etwa Durchfall und Hitzeflashs.“ 

Neue Therapie - „Das war endlich der Wendepunkt“

2010 Klinische Studie

Einige Jahre Später erhält Harald ein neues Medikament. „Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt: Wow! Die Schuppenflechte verschwindet.“ Das Hautbild von Harald verbessert sich dauerhaft. „Das ist ein Riesenglück, dass die Forschung eine neue Behandlungsmöglichkeit hervorgebracht hat. Ich empfinde echte Dankbarkeit.“

Verändertes Lebensgefühl - „Jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln“

Ca. ab 2011, das zweite erste Mal auf dem Fußballplatz

Der Leidensdruck hat für Harald ein Ende. „Jetzt heißt es endlich: Ärmel hochkrempeln. In wahrsten Sinne des Wortes.“ Die neue Lebensqualität zeigt sich auch auf dem Rasen: Ob als Torwart oder Feldspieler – der passionierte Kicker geht wieder in die Offensive. Das Versteckspiel in der Umkleidekabine ist vorbei. Kurze Trikots sind kein Problem mehr für Harald. Es ist ein befreiendes Gefühl – sein zweites erstes Mal. „Der Sport ist für mich ein großer Spaß, da bekomme ich meinen Kopf komplett frei.

Wie geht es Harald heute?

Wie geht es Harald heute mit seiner Schuppenflechte?

Ich fühle mich trotz Psoriasis wieder wohl in meiner Haut.

Aktiv, sportlich, gut gelaunt - Harald hat in seinem Leben mit Psoriasis endlich wieder Spaß. Lediglich an einer Stelle hat er heute noch Schuppenflechte: am linken Ellbogen. Er nennt es sein „persönliches Mahnmal“, im positiven Sinne: „Mein linker Ellbogen sorgt dafür, dass ich der Krankheit mit einer gewissen Demut begegne“, sagt er. „Auf diese Weise werde ich regelmäßig daran erinnert, dass ich weiterhin auf mich und meine Gesundheit aufpassen muss.“

Harald genießt sein neues Körper- und Lebensgefühl, vor allem an sonnigen Tagen: „Ich trage heute T-Shirt oder Shorts“, erzählt er. Für den 53-Jährigen gehört es zur  Normalität, ans Meer zu fahren, am Strand zu liegen, schwimmen zu gehen. Auch als Fußballer ist er weiterhin aktiv – unbeschwert und frei, ohne das ständige Gefühl, krank zu sein. Zudem hat er mit Fitnesstraining angefangen und joggt regelmäßig mit Freunden an der Elbe. Sport ist für Harald ein wichtiger Ausgleich zu seinem anspruchsvollen Job.

„Alles was ich jetzt mache, ist leichter ohne die Schuppenflechte", sagt Harald. Er weiß seine hohe Lebensqualität zu schätzen und hat zu einer neuen Zufriedenheit gefunden. „Das Hier und Jetzt steht für mich im Fokus“, sagt er. „Nicht Geld oder Erfolg sind das Wichtigste, sondern meine Familie, meine Freunde, meine Hobbies.“ Und was rät er anderen Betroffenen? „Kämpfen!“ meint Harald. „Nicht aufgeben. Immer am Ball bleiben.“

Harald
Das Hier und Jetzt steht für mich im Fokus

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