Was mir geholfen hat? Ein langer Atem.

Pauls Leben mit Prostatakrebs

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Steckbrief Gestatten, ich bin Paul
Meine Stationen  
Prostatakrebs: Wie geht es Paul heute? Ich bin vergleichsweise gut dran.
Unterwegs mit Paul Mein zweites erstes Mal: auf die Plätze, fertig, los!
IM GESPRÄCH MIT Tim Schenk von Janssen über die Vorsorgeuntersuchung.
WO PAUL UND ANDERE GERN LAUFEN: DREI REIZVOLLE JOGGINGSTRECKEN  
GUTE VORSÄTZE Tipps für ein gesünderen Lebenswandel.
SCHON GEWUSST? Zehn Fakten zu Prostatakrebs.

Steckbrief

Gestatten, ich bin Paul

Triathlon, Handball, Gewichtheben – Paul war zeitlebens ein echtes Bewegungstier, wie er selbst sagt. Umso größer der Schock, als er kurz vor seiner Pensionierung erfährt, dass er Prostatakrebs hat. Für den damals 65-Jährigen bricht eine Welt zusammen. Hinzu kommt die Angst: Kann ich jemals wieder Sport treiben?

Paul wird sofort operiert. Er ist ein aktiver Patient und will mitreden. Welche weitere Behandlung ist die richtige? Soll er eine Strahlentherapie machen? Gibt es andere Optionen? Die ersten Medikamente, die Paul einnimmt, haben heftige Nebenwirkungen. Doch Paul kämpft weiter. Am Ende führt ein neues Präparat zum Erfolg. Heute kann Paul wieder unbeschwert seinen Lieblingssportarten nachgehen: Joggen und Radfahren.

Leidenschaftlich widmet sich Paul, Jahrgang 1944, auch seiner Familie. Er ist zum zweiten Mal verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder. Der dynamische Pensionär blickt auf ein langes Berufsleben zurück: Er startete zunächst als Industriekaufmann. Als Endzwanziger entschloss er sich dann für ein Studium der Sozialarbeit, weil er mehr mit Menschen zu tun haben wollte. Als Diplom-Sozialarbeiter betreute er Kinder, Jugendliche und Erwachsene in besonderen Lebenslagen. Trotz Krebserkrankung ist Paul aktiv, offen, zuversichtlich – und ist immer für einen Scherz zu haben.

Meine Stationen

Erste Symptome - „Ich dachte, ich bin unverwundbar“

Ca. 2007, ca. zwei Jahre vor der Pensionierung

Seit einiger Zeit hat Paul erste Beschwerden. Vor allem nachts leidet er unter verstärktem Harndrang. Seine Frau rät ihm, zum Arzt zu gehen. Aber Paul winkt ab und denkt nur: Wenn ich Stress habe, muss ich eben häufiger zur Toilette. „Ich hatte damals das Gefühl, ich sei unverwundbar. Später habe ich begriffen, dass es jeden treffen kann.“ Im Rückblick sagt Paul: „Allen jüngeren Männern kann ich nur raten, rechtzeitig zur Früherkennung zu gehen.“

Familie, Sport und Reiseträume - „Ich war voller Pläne“

Ca. 2008, etwa ein gutes halbes Jahr vor der Pensionierung

Paul freut sich auf seinen Ruhestand. Endlich mehr Zeit für die Familie, fürs Joggen und Radfahren – und für ein ganz besonderes Vorhaben: Er plant eine Rundreise mit Bus und Bahn quer durch den Iran. Dort war Paul bereits in den 1970er-Jahren, seine erste Ehefrau ist Iranerin. „Schon damals war ich vernarrt in das Land und seine Menschen“, erzählt er begeistert.

Die Diagnose - „Es war wie eine Monsterwelle“

2009, Diagnose

Kurz vor der Pensionierung diagnostiziert ein Urologe Prostatakrebs. „Im ersten Moment bin ich zusammengebrochen. Die Diagnose kam mir vor wie eine riesige Monsterwelle, die ein Schiff umhaut.“ Er kann es nicht fassen: Ich war doch immer gesund, wieso ausgerechnet ich? Er denkt: „Du hast 48 Jahre malocht und jetzt hast du nichts davon“. Seine Träume platzen. Die geplante Iran-Reise wird abgesagt. Paul ist am Boden. Doch seine Familie gibt ihm Halt.

Die erste Zeit nach der OP - „Man darf sich nicht hängenlassen“

Ca. 2010, die erste Zeit nach der OP

Ein Freund aus Pauls Triathlon-Verein ist Urologe, von ihm wird er operiert. Nach dem Eingriff leidet Paul an Harn-Inkontinenz. „Ich hatte Angst, dass ich das nie mehr loswerde.“ Unbeschwertes Joggen und Radfahren sind zunächst nicht mehr möglich. Eine Therapeutin zeigt ihm spezielle Übungen. Paul trainiert Tag für Tag, mit eisernem Willen. „Du musst einen langen Atem haben“, sagt er. Nach einiger Zeit verbessern sich die Beschwerden, bis er sie schließlich ganz in den Griff bekommt.

Treffen mit Leidensgenossen - „Gemeinsam lässt sich die Situation besser verarbeiten“

Ab ca. 2010, Besuch einer Selbsthilfegruppe

Paul besucht eine Selbsthilfegruppe. „Wir haben uns intensiv ausgetauscht, das hat sehr geholfen.“ Manche Männer sind ihm allerdings zu passiv. „Die sagen zu ihrem Arzt: Herr Doktor, machen Sie mal.“ Auch sensible Themen kommen zur Sprache, etwa die Sexualität, die bei vielen Betroffenen stark eingeschränkt ist. Paul ist in diesem Punkt pragmatisch: „Es ist wie es ist.“ Er hat eine verständnisvolle Partnerin. Mit ihr findet er neue Wege, zärtlich zu sein.

Suche nach der passenden Therapie - „Ich musste mich überwinden“

Ca. 2010 bis 2013, auf der Suche nach Therapien

Paul sucht nach Wegen, um seine Krankheit in Schach zu halten. Doch die ersten Arzneimittel verursachen heftige Nebenwirkungen. „Das kannte ich gar nicht von mir, ich hatte Depressionen. Und wenn ich joggen wollte, musste ich mich minutenlang überwinden, um weiterzumachen“. Eine Strahlentherapie ist für Paul keine Option.

Neuer Arzt, neues Medikament - „Endlich jemand, der dir zuhört“

Seit Mitte 2013 neuer Arzt, 2014 neues Medikament

Mitte 2013 findet Paul einen neuen Urologen, zu dem er ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. „Wir passen gut zusammen, das ist jemand, der dir zuhört und neue Behandlungswege aufzeigt.“ Zunächst heißt die Therapie: kontrolliertes Abwarten. Ende 2014 erhält Paul dann ein neues Präparat. Er verträgt es wesentlich besser als die Mittel zuvor. „Ich bin heilfroh, dass ich das nehmen kann.“ Er hat keine depressiven Verstimmungen mehr, und er ist körperlich fit.

Wieder unbeschwert Sport treiben - „Bewegung macht mir einfach Spaß“

2015, Das zweite erste Mal Joggen und Radfahren

Paul kann sein Leben wieder genießen. Er joggt mehrmals die Woche und fährt Fahrrad, mit Touren bis zu 100 Kilometer. „Nach der Diagnose hatte ich eine Heidenangst, dass ich das alles nicht mehr tun kann.“ Doch Paul packt es – mit einem ganz neuen Lebensgefühl: Wenn er radelt oder läuft, nimmt er die Landschaft intensiver wahr als je zuvor. Es ist ein befreiendes Gefühl. „Den inneren Schweinehund gibt es bei mir nicht. Ich lege mich hinterher auf die Couch, nicht vorher.“

Prostatakrebs: Wie geht es Paul heute?

„Mit meinem Prostatakarzinom bin ich vergleichsweise gut dran.“

Ruhestand? Von wegen! „Im Schrebergarten zu sitzen, wäre nichts für mich”, sagt der 71-Jährige. Trotz Prostatakrebs führt er heute ein abwechslungsreiches und aktives Leben. „Ich bin ja vergleichsweise gut dran. Ich lebe. Ich sitze nicht im Rollstuhl. Ich kann joggen, Rad fahren, mit meinen Enkeln spielen, meine Freunde besuchen. Von daher bin ich sehr dankbar.”

Sport ist weiterhin sein Lebenselixier. Aber er kann auch gut abschalten. „Wenn ich mal Ruhe habe, lese ich oder höre Musik”, berichtet er. Manchmal greift er auch zur Mundharmonika. Blues-Klänge mag er am liebsten. Von Zeit zu Zeit spielt er bei Feiern. „Einfach so, ganz spontan, das macht am meisten Laune.”

Freunde und Familie geben Paul Kraft, allen voran seine Frau, seine Kinder, die Enkel. Noch dazu hat er seit einiger Zeit einen Honorar-Job: Er betreut sozial benachteiligte Familien in Herne, Bochum und Essen. „Ich habe immer gesagt: Auch wenn ich pensioniert bin, möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben.”

Paul genießt die Kleinigkeiten im Leben: Morgens entspannt frühstücken beispielsweise. „Ich achte mehr auf mich als früher. Ich lasse mich nicht gehen." Er ist sich sicher: „Wenn ich mich hängengelassen hätte, ginge es mir heute nicht so gut.” Aber Paul hatte schon immer einen großen Durchhaltewillen. Er ist ein „harter Hund”, wie er sagt.

Achte auf dich, lass dich nicht gehen, werde aktiv!

Anderen Betroffenen rät Paul zur Eigeninitiative: „Seht zu, dass ihr euch informiert und selber aktiv werdet. Die eigene Einstellung zählt.” Und: „Sucht euch einen Urologen, der nicht mundfaul ist. Passt auf eure Psyche auf. Eine Selbsthilfegruppe ist das A und O.” Paul hätte noch viel zu erzählen. Doch er sagt: „Jetzt gehe ich erstmal joggen.”

IM GESPRÄCH MIT

„Man kann viele Jahre gut mit der Krankheit leben.“

TIM SCHENK

Tim Schenk ist vor knapp einem Jahr bei Janssen Deutschland eingestiegen und leitet dort den Bereich „Solid Tumors”, der sich mit den festen Krebsarten wie Prostata-, Eierstock- oder Brustkrebs beschäftigt. In dieser Funktion koordiniert der gebürtige Niederländer unter anderem die Zusammenarbeit verschiedener Fachabteilungen. Sechs Fragen zur häufigsten Krebsart beim Mann.

 

Herr Schenk, was geht in einem Menschen vor, der die Diagnose Prostatakrebs erhält?

Ich würde mir nicht anmaßen, die Gefühle der Betroffenen wiedergeben zu können. Aber auch in meiner Familie gab es mehrere Krebsfälle, mein Onkel ist sogar an Prostatakrebs verstorben. Deshalb weiß ich: Viele Menschen haben Angst, denn sie empfinden die Diagnose wie ein Todesurteil. Das liegt auch daran, dass viele Männer meist nicht genau wissen, was Prostatakrebs eigentlich ist und wie sich die Krankheit auswirkt.

 

Lässt sich diese Angst vor dem Krebs überhaupt nehmen?

Das Wichtigste ist tatsächlich, die Krankheit gut zu erklären und einzuordnen. Und: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit, länger zu leben, steigt. Deshalb ist es so wichtig, Männer zur Früherkennung zu bewegen. Nur jeder Fünfte macht allerdings davon Gebrauch.

 

Wie bekommt man „Mann” dazu, zur Früherkennung zu gehen?

Indem man für Aufmerksamkeit sorgt und aufklärt. Wir haben dazu im Raum Hannover die Aktion „Deine Manndeckung” gestartet, gemeinsam mit Partnern aus der Region: niedergelassenen Urologen, der AOK, der Medizinischen Hochschule und dem Fußballverein Hannover 96. Mit Aufklärungsmaterialien nehmen wir der Früherkennungsuntersuchung ihren Schrecken. Als Teil dieser Gesamtinitiative waren auch Heimspieltickets für die Partie Hannover 96 gegen Bayern München zu gewinnen. Die Resonanz war sehr positiv und wir prüfen derzeit, ob wir „Deine Manndeckung” ausweiten.

 

Viele Patienten sind mit Inkontinenz und sexuellen Einschränkungen konfrontiert. Wie wichtig ist die psychologische Komponente bei dieser Erkrankung?

Sie ist nicht zu unterschätzen, da die Betroffenen vielfach in ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Männlichkeit erschüttert sind. Psychologische Unterstützung kann deshalb sehr wertvoll sein. Wir evaluieren gerade, wie wir als Pharma-Unternehmen Fachärzte unterstützen können, ihre Patienten entsprechend zu begleiten.

 

Was ist Ihnen von Pauls Geschichte besonders in Erinnerung geblieben? 

In den vergangenen fünf Jahren hat sich bei den Behandlungsoptionen gegen Prostatakrebs mehr getan als in den zwanzig Jahren davor.

Ich weiß, dass ich mit meiner Arbeit etwas Nützliches für Menschen tue.

Pauls Beispiel zeigt, dass man viele Jahre gut mit der Krankheit leben kann. Und dass man sein Leben auch genießen kann - ohne Schmerzen und ohne Erschöpfungszustände, die bestimmte Therapien mit sich bringen können. Genau das ist es, was wir unter „Mehr leben im Leben” verstehen.

 

Ziehen Sie daraus auch die Motivation für Ihre tägliche Arbeit?

Ja, natürlich, weil ich weiß, dass ich etwas Nützliches für Menschen tun kann. Dass ich helfen kann. Das motiviert ungemein.

 

Mehr erfahren:

WO PAUL UND ANDERE GERN LAUFEN: DREI REIZVOLLE JOGGINGSTRECKEN

Innerer Schweinehund? Nicht bei Paul. Er schnürt regelmäßig seine Laufschuhe, um beim Joggen den Kopf frei zu bekommen. Eine Auswahl seiner Lieblingsstrecken.

  1. Kemnader See:

    Zwischen Bochum, Hattingen und Witten liegt der Stausee, der zwischen 1976 und 1979 als Naherholungsgebiet entstanden ist. Der Weg um den See herum ist rund acht Kilometer lang. Um sich auf Marathonläufe vorzubereiten, dreht Paul gern schon mal drei Runden.

  2. Hohenstein:

    Eines der beliebtesten Ausflugsziele der Wittener Bevölkerung erhebt sich über der Ruhr. Seine Laufstrecke führt Paul vom Hammerteich über Borbach und dann mitten durch den Stadtwald, immer weiter bergauf.

  3. Schwesternpark:

    Die öffentliche Parkanlage besteht aus 14 Kleinlandschaften, darunter eine Herbstwiese und ein Eichenwald. Für Paul ist es nur eine Zwischenstation auf dem Weg über den Walfischbusch, weiter in Richtung Bochum.

GUTE VORSÄTZE

Gute Vorsätze wirklich umsetzen – Tipps für einen gesünderen Lebenswandel

Trotz seiner Krebserkrankung kann der 71-jährige Paul noch joggen und auf dem Rennrad seine Runden drehen. Bei vielen anderen Menschen sorgt vor allem der berühmte „innere Schweinehund” dafür, dass es meist bei den guten Vorsätzen für ein aktiveres und gesünderes Leben bleibt. Wie schafft man es also, seine Vorsätze dauerhaft umzusetzen? Dazu ein paar Vorschläge...

Ziele „SMART” definieren

„Ab morgen mache ich regelmäßig Sport!” - von wegen: Vor allem bei Bewegungs-Muffeln bleibt es meist beim ehrgeizigen Vorsatz. Dabei kann es besonders für chronisch Kranke und auch für Krebspatienten von Vorteil sein, wenn sie sich ihren Möglichkeiten entsprechend bewegen. Beim Start in ein aktiveres Leben helfen „smart” formulierte Ziele. Die Abkürzung SMART steht für spezifisch, messbar, angemessen, realistisch und terminiert. Je konkreter die guten Vorsätze, desto besser: „Ab morgen werde ich zwei Trainingseinheiten pro Woche einlegen. Jeweils eine Stunde Cardio- und Muskeltraining.” So klappt es ganz bestimmt mit dem Sport.

Systematisch vorgehen

Der gute Vorsatz ist der erste Schritt, die eigene Lebensweise positiv zu verändern. Doch es ist sinnvoll, systematisch vorzugehen. Beim Thema Ernährung hilft es, seine Essgewohnheiten zu protokollieren, um anschließend realistische und konkrete Ziele festlegen zu können. Außerdem sollten von vornherein Strategien für mögliche schwache Momente sowie kleine Belohnungen für Etappensiege eingeplant werden. Für Krebspatienten spielt die Ernährung eine besondere Rolle. Krebs und Genuss im Alltag - das sollte sich nicht kategorisch ausschließen. Entsprechende Tipps finden Interessierte unter www.krebsratgeber.de.

Damit gesunde Ernährung zur Gewohnheit wird: Mit frischen und farbenfrohen Zutaten fällt die Umstellung leichter.

Alte Gewohnheiten durch neue ersetzen

Psychologen beschreiben eine Gewohnheit auch als unbewusstes Handeln. Demnach folgt auf einen bestimmten Reiz eine gewohnte, unbewusste Handlung. So gönnt sich mancher, dem Wunsch nach Entspannung folgend, automatisch öfter mal ein Glas Wein. Dabei kann das Bedürfnis nach Entspannung auch bewusst mit einem anderen Reiz verbunden werden - zum Beispiel mit einer Tasse Tee. Durch Wiederholungen wird die bewusste Handlung zu einer (gesünderen) Gewohnheit.

Kleine Momente der Freude schaffen

Oft sind es Kleinigkeiten, die den stressigen Alltag erträglicher machen. In Ruhe die Lieblings-CD hören, mit der besten Freundin telefonieren oder ein Spielzeugauto im Internet ersteigern - wer regelmäßig und bewusst solche kleinen Momente der Freude setzt, kann damit seine Grundstimmung verbessern. Und wer besser drauf ist, tut sich mit Veränderungen leichter.

 

SCHON GEWUSST?

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