Interview

Ihr Mann Herbert hat Prostatakrebs: Edith bleibt dennoch positiv

„Es traf mich wie ein Schlag.” Als Edith erfuhr, dass ihr Mann Herbert Prostatakrebs hat, fiel sie aus allen Wolken. Doch sie fing sich wieder: „Ich lief wie ein Schienenbus ganz gerade aus”. Edith ergriff damals die Initiative und organisierte zusammen mit ihrem Mann und dem behandelten Arzt Dr. Alwin Weber die nächsten Schritte. Im Interview verrät sie, wie sie als Ehefrau, Mutter und Inhaberhin einer Bäckerei den Alltag trotz der Erkrankung ihres Mannes weiter aufrechthält und wie sie mit ihrer Familie die schönen Dinge des Lebens genießt.  

 

Frau Strassner, wie haben Sie die erste Zeit nach der Prostatakrebs-Diagnose erlebt?

Von dem Zeitpunkt der Prostatakrebs-Diagnose bis hin zur Operation waren es nur acht Wochen. In dieser Phase haben wir zusammen mit Herrn Dr. Weber in Arzt-Patienten-Gesprächen das weitere Vorgehen besprochen. So haben wir uns erst einmal ganz langsam vorgetastet.

Da wir eine eigene Bäckerei haben und täglich im Berufsstress stecken, habe ich mir gesagt: Wir brauchen noch einmal eine Auszeit, damit wir vor der OP beide noch etwas Kraft sammeln können. Jeder hat uns für verrückt erklärt. Auch mein Mann sagte: Das geht doch jetzt nicht. Ich sagte: Oh doch, wir müssen. Ich glaube, dass war so der richtige Weg. Denn die Urlaubstage haben uns geholfen, trotz der Diagnose positiv in die Zukunft zu blicken.

 

Wie hilft Dr. Weber Ihnen und Ihrem Mann?

Herr Dr. Weber macht uns im Arzt-Patienten-Gespräch immer wieder Mut, indem er sagt: Wenn das nicht mehr hilft, dann hilft etwas anderes. Wir sind in der Medizin in diesen 13 Jahren seit der Prostatakrebs-Diagnose weit fortgeschritten. Und das ist die Aussage, auf die ich mich beziehe. Und auf die ich mich bei ihm verlassen kann. Es beruhigt mich, wenn er uns versichert: Der Weg geht weiter - er hört nicht auf.

Aber Herr Dr. Weber unterstützt uns nicht nur als Arzt, sondern auch als Mensch. Er hat mir zum Beispiel geholfen, eine Unterkunft in der Nähe der Klinik zu finden. So konnte ich auch bei meinem Mann bleiben und ihm Mut machen, als er für seine Prostatakrebs-Operation ins Krankenhaus kam. Mit der Zeit ist aus einem normalen Arzt-Patienten-Verhältnis mehr geworden. Heute würde ich sagen, Dr. Weber ist unser Lebensbegleiter.

 

Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich als Angehörige im Alltag zurücknehmen müssen?

Während einer Prostatakrebs-Therapie gibt es immer so Wellen. Mal ist eine Welle hoch - dann sollte man Rücksicht auf den Patienten nehmen. In diesem Moment steht allein mein Mann im Vordergrund. In einer solchen Krisenzeit macht es keinen Sinn, selbst auch noch Ansprüche zu stellen. Sonst ist man leicht überfordert. Aber die Welle ebbt auch immer wieder ab. Die verläuft am Strand und dann kehrt eine Ruhephase ein. Dann kann ich auch wieder an mich denken. 

 

Hatten Sie in dieser Zeit auch einmal Angst?

Nein, weil mir gesagt wurde, dass nach der OP eine Strahlentherapie zur Vorsorge folgt. Und das Wort „Vorsorge” hat mich dann wieder etwas runtergeholt und mir Mut gemacht. Es muss wieder weiter gehen. Irgendein Weg findet sich immer.

 

Wie unterstützen Sie Ihren Mann?

Einem Menschen, der eine Prostatakrebs-Diagnose erhält, kann es schwer fallen, sofort klar zu denken. Das muss ein Angehöriger übernehmen. In unserem Fall war das eben ich. Deshalb bin ich bis heute bei jedem Arzt-Patienten-Gespräch dabei. Ich habe damals die Verantwortung übernommen und zeige meinem Mann bis jetzt immer wieder, dass es weiter geht. Es hilft nichts, ihn 24 Stunden am Tag zu bedauern.

 

Wie hat sich Ihr Familienleben durch die Erkrankung verändert?

Wir haben von vornherein gesagt: Lasst uns unser Leben einfach so weiterleben, wie es bisher war. Auch auf unsere zwei Söhne, die in dieser Zeit für ihre Prüfungen lernen mussten, hat die Prostatakrebs-Erkrankung meines Mannes keinen großen Einfluss genommen. Ich habe gesagt: Es läuft einfach weiter wie in jeder anderen Familie auch. Und bis auf die Planbarkeit ist das bis heute so geblieben. Denn wir können nicht mehr langfristig Termine organisieren, sondern schauen nur noch kurzfristig nach vorne. Man lernt, damit umzugehen. 

 

Was tun Sie für sich, um sich vom Alltag zu erholen?

Ich unternehme gerne mit meiner Freundin einen Ausflug. Oder ich gönne mir einen Verwöhn-Tag. Auch ein Spaziergang durch den Wald bedeutet für mich Erholung. Aber es sind nicht nur die kleinen Dinge. Wenn wir eine gute Phase haben und der Gesundheitszustand meines Mannes es zulässt, dann plane ich gerne einen Urlaub für uns. Ich habe gelernt, dass man sich die Zeit nehmen muss und versuchen sollte, das Beste aus einem Tag zu machen.

 

Was würden Sie anderen Angehörigen raten?

Ich finde, man sollte immer ansprechbar sein und auf seinen Partner eingehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es meinem Mann hilft, wenn ich voraus gehe und ihn leite. Aber das kann sich von Patient zu Patient unterscheiden. Wichtig ist, nicht in Mitleid zu versinken, sondern lieber zusammen Pläne zu schmieden. Nach dem Motto: Komm, wir packen das.

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