Chronische Lymphatische Leukämie:

Eine erfolgreiche CLL-Therapie dank Teamarbeit

Hagen erfährt 2011, dass er an Chronisch Lymphatischer Leukämie (CLL) erkrankt ist - ein drastischer Einschnitt ins Leben des heute 73-Jährigen. Im Interview erzählen er, seine Ehefrau Rita und sein behandelnder Arzt Harald Müller-Huesmann, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie, Palliativmedizin, wie sie gemeinsam erfolgreich den Kampf gegen die schwere Krankheit meistern.

 

Wie sind Sie damals mit der schwerwiegenden Diagnose Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) umgegangen?

Hagen: Die Diagnose Chronische Lymphatische Leukämie hat mich total aus dem Leben gerissen. Es war ein Zufallsbefund. Beim Blutspenden wurden bei mir auffällige Werte festgestellt. Meine Frau hat mich zum Glück aufgefangen und mir den Rücken gestärkt.

Rita: Ja, das war damals ein großer Schock für uns. Die Diagnose kam quasi aus heiterem Himmel. Mein Mann war ja augenscheinlich gesund und hatte keinerlei Beschwerden. Wir sind dann aktiv geworden und haben uns informiert.

 

Wie haben Sie dann sozusagen den Arzt Ihres Vertrauens gefunden?

Hagen: Das war gar nicht so einfach und letztlich auch ein bisschen Zufall. Mir ging es damals zunehmend schlechter, ich hatte zum Beispiel mit starken Schweißausbrüchen zu kämpfen. Deswegen habe ich dann auch eine Chemotherapie bekommen...

Rita: ... und diese erste Chemotherapie hat mein Mann leider gar nicht gut vertragen. Er hatte sehr hohes Fieber und musste ins Krankenhaus. Dort haben wir dann Dr. Müller-Huesmann kennengelernt. Er hat uns dann die Hintergründe zur Chronisch Lymphatischen Leukämie erklärt und unsere Fragen beantwortet. Rückblickend war das wirklich Glück im Unglück.

Müller-Huesmann: Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als Hagen zu uns in die Klinik kam. Bei ihm sind nach dem ersten Zyklus der Chemotherapie Komplikationen aufgetreten. Er hatte eine Lungenentzündung und musste stationär behandelt werden.

 

Worauf kommt es Ihnen beim Umgang mit ihren Patienten besonders an?

Müller-Huesmann: Es ist wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Ich versuche daher, heraus zubekommen, was dem Patienten wichtig ist. Wie sind die familiären Verhältnisse? Welche Hobbys gibt es? Hagen zum Beispiel singt im Chor und hat eine große Leidenschaft für Fußball. Ich habe ihn immer darin bestärkt trotz seiner Chronisch Lymphatischen Leukämie, seine Hobbys weiter auszuüben. Denn es hilft ungemein, die schönen Dinge des Lebens in die Behandlung zu integrieren. Die Therapie sollte dazu beitragen, dass Krebspatienten möglichst viele der Dinge tun können, die ihnen wichtig sind.

 

Welche Rolle spielt eine gute Beziehung zwischen Arzt und Patient für den Erfolg einer Therapie der Chronisch Lymphatischen Leukämie?

Müller-Huesmann: In der Krebstherapie ist es besonders wichtig, ein gutes Verhältnis zu den Patienten zu haben. Schließlich löst die Diagnose Krebs bei vielen Betroffenen Todesängste aus. Glücklicherweise machen neue Therapien Krebs in immer mehr Fällen von einer tödlich verlaufenden zu einer chronischen Erkrankung. Als Arzt berate und begleite ich meine Patienten daher viel länger als früher. Die Therapietreue wird deshalb immer bedeutender für einen erfolgreichen Therapieverlauf. Doch nur wer seinem Arzt vertraut, kann dessen Empfehlungen annehmen und den empfohlenen Therapieweg erfolgreich gehen.

Rita: Die Chemie zwischen Arzt und Patient muss einfach stimmen. Mir ist es wichtig, beim Arzt über alles zu reden zu können und Antworten auf meine Fragen zu bekommen.

Hagen: Das gute Verhältnis zu Herrn Müller-Huesmann gibt mir Sicherheit. Ich verstehe meine Chronische Lymphatische Leukämie jetzt viel besser und kann gut mit ihr umgehen. Außerdem teilt mein Arzt meine Leidenschaft für Fußball. Wir können also auch mal über andere Dinge sprechen, nicht nur über den Krebs. Die neue Therapie hat zudem keine großen Nebenwirkungen bei mir und ich kann wieder regelmäßig im Chor singen, am Haus werkeln oder mit meiner Frau in den Urlaub fahren. Mein Leben ist wieder lebenswert geworden.

 

 

Und welche Bedeutung haben die Angehörigen?

Müller-Huesmann: Die Rolle der Angehörigen ist nicht zu unterschätzen. Rita hat zum Beispiel einen großen Anteil am Therapieerfolg ihres Mannes. Sie hat ihm während der ganzen Zeit den Rücken gestärkt. Als Arzt kann ich nur davon profitieren, wenn neben dem Patienten auch Angehörige bei Terminen dabei sind. Denn letztlich lautet das gemeinsame Ziel, die Erkrankung so gut wie möglich in den Griff zu bekommen, damit die Betroffenen damit lange und mit einer guten Lebensqualität leben können.

 

Hagen, wie würden Sie Ihren Therapieweg rückblickend beschreiben?

Hagen: Ich würde sagen, das ist wie eine Bergbesteigung. Zum Zeitpunkt der Diagnose stand ich im Tal, mittlerweile bin ich mit Hilfe meiner Familie und Freunde und durch die Unterstützung meines Arztes auf dem Gipfel angekommen. Der Weg bis zum Gipfel war steil und anstrengend. Aber heute kann ich fast wieder so leben, wie vor CLL. Ich genieße es, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, mit meinen Enkeln zu spielen und beim Fußball mitzufiebern. Auch das Singen im Chor gibt mir viel Kraft. Die Menschen dort haben mich gestützt und aufgefangen, als ich erfuhr, dass ich Chronisch Lympathische Leukämie habe.

 

Nicht immer haben Betroffene so starke Partner an ihrer Seite. Wo können diese Menschen Unterstützung finden?

Müller-Huesmann: Der Therapieerfolg von Hagen zeigt, wie wichtig eine positive Grundeinstellung für den Therapieverlauf ist. Darüberhinaus stehen Patienten viele Angebote zur Verfügung, die dabei helfen, besser mit der Erkrankung zu leben - etwa psychoonkologische Beratung, Selbsthilfegruppen, Ernährungsberatung oder eine palliativonkologische Betreuung.

Hagen: Ich möchte alle Betroffenen ermutigen, positiv zu denken und sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie sollten niemals aufgeben und sich Hilfe suchen - es gibt immer Hoffnung auf Besserung. Die Forschung hat bereits so vieles möglichgemacht.

zurück zur startseite